Art der Simulation 
Zweck der Simulation 
Unterschied "messen" und "simulieren" 
Funktionsweise der "Lothar"-Simulation 
Perfekte Simulation möglich? 
Output der Runs 


Art der Simulation 

An der ETH Zürich im Institut für Klimaforschung betrieben André Walser und Tobias Maurer eine Computersimulation des Orkans "Lothar". Der Computer soll "Lothar" mit Hilfe eines Wettervorhersage-Modelles in verschieden grossen Gebieten mit verschiedenen Auflösungen möglichst flächendeckend simulieren und erhält die dafür nötigen Daten und Gleichungen. Beispielsweise sollen so Luftdruckkurven an beliebigen Orten errechnet oder Isobarenkarten dargestellt werden, die dann so nahe wie möglich an den effektiven Werten liegen sollten.


Zweck der Simulation 

Je besser man beispielsweise einen Sturm nachträglich simulieren kann, umso besser versteht man die Vorgänge und man kann schliesslich die gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis für eine bessere Vorhersage (Forecast) nutzen.

André Walser unterteilt die Ziele der Simulation in zwei Punkte:

1.  Besseres Verständnis der Zyklone im Bezug auf ihre Erstreckung (horizontal und vertikal), ihre Achse, ihre Intensität und ihren Verlauf. Weiter möchte man herausfinden, welche Prozesse bei der Verstärkung und Abschwächung der Zyklone eine Rolle spielten.
2.  Im Bezug auf die Simulation selbst möchte man herausfinden, ob eine höhere Auflösung (siehe unten) bessere Daten liefert.

Unterschied "messen" und "simulieren" 
Messdaten werden an fixen Stellen erfasst (Punktmessungen) und ergeben einzelne, genaue Werte der meteorologisch/klimatologisch interessanten Variablen. Sie sagen aber nichts aus über die Verhältnisse an einem nahe gelegenen Ort, wo zum Beispiel der Wind und der Niederschlag ganz andere Werte haben können. Die Variablen können sich schon in einem kleinen Betrachtungsraum stark unterscheiden und deshalb sind Punktmessungen für eine weitere Betrachtung nicht repräsentativ genug.

Bei einer Simulation muss man klar unterscheiden, ob man eine Vorhersage (zukünftige Entwicklung unbekannt) macht oder ein Ereignis im Nachhinein (man kennt die Entwicklung des Vorgangs und nutzt dieses Wissen) simuliert. Eine Simulation liefert aber immer einen 2- bzw. 3-dimensionalen Output und beschreibt so eine Fläche oder einen Raum deckend (die Auflösung kann aber höchstens so gross sein wie das verwendete Rechengitter).

Vorhersage
Beim Forecast ist nur der Anfangszustand bekannt und das Modell rechnet dann damit in die Zukunft. Temperatur, Luftdruck, Wind etc., die sich zeitlich verändern, werden mit Hilfe von vereinfachten Gleichungen, die die Atmospähre beschreiben, berechnet.

Nachträgliche Simulation
Bei der nachträglichen Simulation ist nicht nur der Anfangszustand bekannt, sondern auch die Entwicklung, anhand der operationell erhobenen Messdaten. Am Modellrand werden die Messdaten eingeschoben (Interpolation der Messdaten). Das Modell selber unterscheidet sich aber nicht von dem des Forecasts, nur kommen bei der nachträglichen Simulation noch die laufend erneuerten Messdaten (Randantrieb) hinzu.
meteorologisch: auf das Wetter und seine Änderung bezogen.

klimatologisch: auf die Witterungsverhältnisse an einem festen Ort bezogen.












Auflösung: je höher die Auflösung, umso "schärfer" und detaillierter wird das "Bild".

Rechengitter: der Computer rechnet jeden einzelnen Gitterpunkt des Gitters, das über ein Gebiet "gelegt" wird. Je engmaschiger das Gitter, umso höher die Auflösung und desto höher der Rechenaufwand.





operationell: in regelmässigen Abständen erfasst und sofort an Zentrale übermittelt.

Funktionsweise der "Lothar"-Simulation 
Bei der nachträglichen Simulation werden, wie bereits erwähnt, die Messdaten der Entwicklung dem Modell laufend bereitgestellt.

Eine Auswahl von Messdaten werden in einem sehr komplizierten und aufwendigen Verfahren (Assimilations-Verfahren) am
ECMWF den Modellen zur Verfügung gestellt. Der Computer rechnet die einzelnen Gitterpunkte des Rechengitters, das über eine Domain gelegt wurde, und zusammengefasst entsteht so ein Bild.
Der erste
Run (mit dem HRM) wies eine Auflösung von 28 km auf, das heisst die Maschen des Rechengitters sind 28 km gross. Danach wurde das Gebiet verkleinert und ein 14 km Run (mit dem MC2-Modell) durchgeführt. Mit dem Output von diesem kann man das Rechengebiet auf die Schweiz und die nähere Umgebung reduzieren und schliesslich kann so ein 3 km Run realisiert werden, der auch auf dem MC2-Modell basiert.

Die "Lothar"-Simulation an der ETH Zürich rechnet mit dieser Auflösung von 3 km und die Vertikale wird mit 50 Schichten berücksichtigt. Mit dem Initialzustand (Anfangszustand) und den ständig erneuerten Messdaten als Basis rechnet das Modell die Werte der Knotenpunkte aus (Wind, Temperatur, Druck, Feuchtigkeit etc.). Das Modell hat unter anderen Daten ein Bodenfile zur Verfügung, das Informationen über die
Orographie, die Land-Wasser-Anteile und die Vegetationsparameter eines Gebietes beinhaltet.

Die MC2 Simulationen wurden am Swiss Center for Scientific Computing (CSCS) der ETH Zürich in Manno TI auf dem NEC SX-4 Computer, einer der leistungsfähigsten Supercomputer, der in der Schweiz verfügbar ist, durchgeführt. Er besitzt 12 Prozessoren und 8 Gbyte SSRAM Speicher. Beipielsweise benötigte der 27 stündige 3 km Lauf eine Rechenzeit von 4,5 Stunden.
ECMWF: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage.

Domain: Rechengebiet, Integrationsgebiet.

Run: Ablauf des Modelles.

HRM: High Resolution Model des Deutschen Wetterdienstes (DWD)

MC2: Mesoscale Compressible Community


Die verschiedenen Domains


Initialisierung von tiefer zu hoher Auflösung


Die Schweizer Topograpie-Daten

Orograpie: Gebirgs-, Geländebeschreibung.

Perfekte Simulation möglich? 
Wiederum muss man zwischen dem Forecast und der nachträglichen Simulation eines Ereignisses unterscheiden.

Theorie
Für kurz- und mittelfristige Prognosen wäre der Anspruch auf 100%-ige Richtigkeit theoretisch möglich, wenn unendlich viele Messdaten erfasst werden könnten und diese in einem perfekten Modell verarbeitet würden. Doch bei einer langfristigen Betrachtung scheitert das Vorhaben perfekter Prognosen schon in der Theorie. Noch so geringe Abweichungen zu Beginn der Rechnung können sich in der späteren Entwicklung fatal auswirken (Chaos-Theorie, Schmetterlingseffekt) und die gesamte Prognose entscheidend verfälschen, so dass sie schliesslich nutzlos wird.

Praxis
In der Praxis ist heute schon eine 7-Tage-Prognose sehr heikel. Man hat ja nur eine begrenzte Anzahl Messdaten zur Verfügung, die Rechenleistungen der Computer sind begrenzt und das perfekte Modell gibt es nicht, weil die dahinterstehenden Gleichungen nur Annäherungen an die Realität sein können. Deshalb rechnet das ECMWF nicht nur mit einem Modell, sondern mit 50 verschiedenen (sogenannte Ensemble-Runs) und anhand der Streubreite der Runs lässt sich dann als Synthese eine möglichst gute Prognose erstellen.

Idealfall einer Simulation
Eine nachträgliche Simulation, wie sie von "Lothar" gemacht wurde, muss für eine möglichst gute Abhandlung des Ereignisses ein gutes Modell (perfektes Modell ist nicht möglich) haben und auf möglichst viele Messdaten zugreifen können. Das gute Modell, ergänzt mit unendlich vielen, exakten Messdaten (Antrieb am Rand des Modells), würde die Simulation theoretisch in die richtige Richtung zwingen. Die unendlich vielen, exakten Messdaten, die alle verrechnet werden können, sind aber Wunschdenken. Doch eine gute Annäherung an die Wirklichkeit gelingt auch heute, indem man sich auf die wichtigsten Faktoren beschränkt und eine gute Auswahl der Messdaten trifft.

Output der Runs 
Nun können diverse Animationen und Abbildungen mit Erklärungen und Erläuterungen gezeigt werden, die als Output der nachträglichen Simulation des Orkans "Lothar" entstanden sind.

Luftdruck 14 km Run um 9 Uhr UTC


Luftdruck-Animation des 3 km Runs (0.25 MB)


Wind-Animation des 3 km Runs (2.3 MB)


Temperatur- und Geopotential-Animation des 14 km Runs (0.9 MB)

Definition Geopotential 


Stabilität der Atmosphäre- und Geopotential-Animation des 14 km Runs (0.8 MB)

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